- Die Schlagzeile: Deutsch ist eine germanische Sprache
- Vorteil 1: Tausende gemeinsame Wörter
- Vorteil 2: Das Alphabet ist dasselbe
- Vorteil 3: Konsistente Phonetik
- Vorteil 4: Grammatik ist logisch
- Vorteil 5: Die Verbformen sind einfacher als im Englischen.
- Was ist wirklich schwierig an Deutsch?
- FSI-Bewertung: Deutschland ist Kategorie II
- Die Herausforderung neu formulieren
- Praktische Auswirkungen für australische Lernende
- Zusammenfassung
Deutsch hat einen gewissen Ruf. Es ist die Sprache der unglaublich langen Komposita, der vier Fälle, der drei Geschlechter und der komplexen Verbstellungsregeln. Mark Twain schrieb einen ganzen satirischen Essay mit dem Titel „Die schreckliche deutsche Sprache“, in dem er sich über ihre Schwierigkeit beklagte. Deutsche selbst scherzen oft darüber, wie schwer ihre eigene Sprache ist.
Für Australier, die Deutsch lernen möchten, ist dieser Ruf teils berechtigt, teils aber auch stark übertrieben. Deutsch birgt zwar echte Herausforderungen – das Kasussystem, die Umlaute, die „ch“ -Laute –, bietet aber auch strukturelle, vokabeltechnische und grammatikalische Vorteile für Englischsprachige, über die selten gesprochen wird. Das Gesamtbild ist deutlich ermutigender, als der Ruf vermuten lässt.
Die Schlagzeile: Deutsch ist eine germanische Sprache
Für australische Englischsprachige, die Deutsch lernen, ist die wichtigste Tatsache folgende: Englisch ist eine germanische Sprache.
Das Englische entwickelte sich aus germanischen Wurzeln, die von angelsächsischen Siedlern im 5. und 6. Jahrhundert nach Großbritannien gebracht wurden. Im Laufe der folgenden tausend Jahre nahm es unzählige Wörter aus dem Französischen (nach der normannischen Eroberung 1066) und dem Lateinischen (durch die Kirche und später die Renaissance) auf. Die daraus entstandene Sprache, das moderne Englisch, besitzt einen hybriden Wortschatz – etwa zur Hälfte germanisch, zur Hälfte lateinisch/französisch –, doch ihr grammatikalisches Gerüst und der grundlegendste Wortschatz sind nach wie vor germanisch.
Deutsch und Englisch sind, sprachlich gesehen, verwandt. Sie haben einen gemeinsamen Vorfahren. Und diese Verwandtschaft bietet Englischsprachigen, die Deutsch lernen, konkrete Vorteile, die es beim Erlernen von Japanisch, Arabisch oder selbst Französisch nicht gibt.
Vorteil 1: Tausende gemeinsame Wörter
Die Wortschatzüberschneidungen zwischen Englisch und Deutsch sind beträchtlich und sofort praktisch. Hier sind einige Wörter, die Sie bereits kennen, bevor Sie eine einzige Deutschstunde beginnen:
Nahezu identische Wörter: Arm (Arm), Hand (Hand), Finger (Finger), Gras (Gras), Winter (Winter), Sommer (Sommer), Buch (Buch), Fisch (Fisch), Gold (Gold), Ring (Ring), Haus (Haus), Maus (Maus), Bett (Bett), Ball (Ball), Park (Park), Sport (Sport), Hotel (Hotel), Computer (Computer), Telefon (Telefon), Internet (Internet)
Wörter, die unterschiedlich aussehen, aber einem erkennbaren Muster folgen:
Englisch th → Deutsch d/t : Vater/Vater , that/das , the/der-die-das , this/dies , three/drei , Tooth/Zahn , throat/Hals
Englisch w → Deutsch v : Wasser/Wasser , Wein/Wein , Winter/Winter , Wurm/Wurm , Holz/Wald
Englisch stilles k → Deutsch gesprochenes kn : knien/knien , Messer/Messer (Ausnahme), know/kennen
Englisch p → Deutsch pf oder ff : pepper/Pfeffer , apple/Apfel , ship/Schiff , help/helfen
Modernes internationales Vokabular: Die weltweite Verbreitung des englischen Technologievokabulars hat dazu geführt, dass Hunderte von Wörtern englischen Ursprungs in die deutsche Alltagssprache übernommen wurden: das Internet, das E-Mail, das Smartphone, der Computer, der Browser, die Website, das Meeting, die Präsentation, der Manager, das Team. Diese werden im deutschen Arbeitsumfeld und in Gesprächen ohne deutsche Endungen oder Modifikationen verwendet.
Wie hilfreich ist das? Sprachwissenschaftler schätzen, dass Englischsprachige von Anfang an etwa 60 % ihres deutschen Wortschatzes erkennen – im Vergleich zu vielleicht 10–15 % bei Japanisch oder Chinesisch oder 30–40 % bei Russisch. Man beginnt also nicht bei null, sondern baut auf einer gewissen Vertrautheit auf, wodurch der Vokabelerwerb deutlich schneller vonstattengeht als bei völlig fremden Sprachen.
Vorteil 2: Das Alphabet ist dasselbe
Im Deutschen wird das lateinische Alphabet verwendet – die gleichen 26 Buchstaben wie im Englischen – plus vier zusätzliche Zeichen: ä, ö, ü (die Umlaute) und ß (das Eszett, eine Ligatur für Doppel-s).
Das erscheint selbstverständlich, doch man bedenke den Unterschied zu Sprachen mit völlig anderen Schriftsystemen: Japanischlernende müssen drei separate Schriftsysteme erlernen (Hiragana, Katakana und Kanji). Die arabische Schrift wird von rechts nach links gelesen und die Buchstabenformen verändern sich je nach Position im Wort. Das russische Kyrillisch hat 33 Buchstaben, von denen viele den lateinischen Buchstaben ähneln, aber anders ausgesprochen werden.
Deutschkenntnisse sind sofort vorhanden – man kann vom ersten Tag an deutsche Texte lesen. Das Gehirn muss kein neues visuelles Verarbeitungssystem für die Sprache erlernen. Dies ist ein echter und oft unterschätzter Vorteil.
Die Umlaute ( ä, ö, ü ) und ß müssen zwar gelernt werden, repräsentieren aber Laute, die (mit etwas Übung) gebildet und geschrieben werden können (entweder mit dem Umlautzeichen oder der entsprechenden Schreibweise ae/oe/ue). Sie stellen eine kleine Ergänzung zu einem bekannten System dar, kein völlig neues.
Vorteil 3: Konsistente Phonetik
Die deutsche Rechtschreibung ist wesentlich einheitlicher als die englische. Im Deutschen entspricht das, was man sieht, fast immer dem, was man sagt. Dieselbe Buchstabenkombination erzeugt im gesamten Wortschatz zuverlässig denselben Laut.
Vergleichen Sie dies mit dem Englischen:
- "ough": durch, Gedanke, hart, Ast, Husten — fünf verschiedene Aussprachen
- "ea": Perle, Brot, großartig, Steak, Pause — vier verschiedene Aussprachen
- "c": Katze, Stadt, Szene — drei verschiedene Aussprachen
Im Deutschen gibt es das alles nicht. „ ei“ wird immer wie das englische „eye“ ausgesprochen. „ ie“ ist immer „ee“. „ au“ ist immer „ow“ (wie in „how“). „sch “ ist immer „sh“. Sobald man die deutschen Laut-Buchstaben-Regeln gelernt hat – was etwa eine Woche konzentriertes Lernen erfordert –, kann man jedes deutsche Wort korrekt laut vorlesen, auch Wörter, die man noch nie zuvor gesehen hat.
Diese Konstanz beschleunigt den Lese- und Schreibprozess enorm. Die Leseflüssigkeit im Deutschen entwickelt sich bei Anfängern deutlich schneller als im Englischen, eben weil das Rechtschreibsystem rational ist.
Vorteil 4: Grammatik ist logisch
Ja, im Deutschen gibt es vier Fälle. Ja, es gibt drei Geschlechter. Ja, die Verbstellung ändert sich in komplexen Sätzen. Das sind echte Herausforderungen.
Doch die deutsche Grammatik ist, einmal verstanden, logisch und regelbasiert, im Gegensatz zur englischen Grammatik.
Die deutsche Wortstellung ist flexibler, aber gleichzeitig klarer: Das deutsche Kasussystem kennzeichnet die Rolle jedes Nomens (Subjekt, Objekt, indirektes Objekt) durch den Artikel – so kann die Wortstellung variieren, ohne die Bedeutung zu verändern. Die starre englische Subjekt-Verb-Objekt-Wortstellung ist zwar leichter zu erlernen, aber unflexibel. Das deutsche System erfordert zwar anfangs mehr Lernaufwand, belohnt dies aber mit großer Ausdrucksfreiheit.
Die deutsche Verbkonjugation ist regelmäßig: Regelmäßige deutsche Verben folgen vorhersehbaren Konjugationsmustern. Sobald man das Muster für „ machen “ gelernt hat, kann man Hunderte von Verben konjugieren. Im Englischen gibt es verhältnismäßig mehr unregelmäßige Verben und weniger vorhersehbare Muster.
Das Genus folgt bestimmten Mustern: Im Deutschen gibt es für einen Großteil des Wortschatzes festgelegte Genusmuster für Substantive. Substantive, die auf -ung, -heit oder -keit enden, sind immer feminin. Substantive, die auf -chen enden, sind immer neutral. Diminutive sind immer neutral. Diese Muster reduzieren das zufällige Auswendiglernen erheblich.
Zusammengesetzte Substantive sind selbsterklärend: Die berühmten langen deutschen Komposita sind eigentlich ganz einfach, sobald man ihre Bestandteile kennt. Geschwindigkeitsbegrenzung = Geschwindigkeit + Begrenzung . Lang, ja. Aber die Bedeutung ergibt sich aus der Zusammensetzung – man kann sie aus den Teilen erschließen. Das englische „speed limit“ ist kürzer, aber weniger strukturell transparent.
Vorteil 5: Die Verbformen sind einfacher als im Englischen.
Englisch besitzt ein komplexes Zeitformensystem mit zwölf Formen, darunter auch Verlaufsformen, die die meisten anderen Sprachen nicht kennen. Die Unterscheidung zwischen „I eat“, „I am eating“, „I have eaten“, „I have been eating“, „I had been eating“ und „I will have been eating“ stellt für Sprecher von Sprachen mit einfacheren Zeitformensystemen, die Englisch lernen, eine echte Herausforderung dar.
Das deutsche Zeitsystem ist wesentlich einfacher:
Im Deutschen wird hauptsächlich Folgendes verwendet:
- Präsens (Gegenwart) — umfasst sowohl "Ich esse" als auch "Ich esse gerade" (kein Verlaufsaspekt erforderlich)
- Perfekt (Präsensperfekt als gesprochene Vergangenheit) – umfasst „Ich aß“, „Ich habe gegessen“, „Ich aß gerade“
- Präteritum (einfaches Präteritum, hauptsächlich geschrieben) – für schriftliche Erzählungen
- Futur I (Zukunft) – obwohl stattdessen häufig das Wort Präsens + Zeit ( morgen, nächste Woche ) verwendet wird
Für Englischsprachige ist das Fehlen einer Unterscheidung zwischen Verlaufsformen im Deutschen eine Vereinfachung. Man sagt nicht unterschiedlich „I am eating“ und „I eat“ – beides heißt einfach „Ich esse“. Auch auf ein englisches „will“ im Futur wird im Deutschen in vielen Kontexten verzichtet – „Ich gehe morgen“ funktioniert in beiden Fällen.
Was ist wirklich schwierig an Deutsch?
Ehrlichkeit erfordert auch, die realen Herausforderungen anzuerkennen.
Das Kasussystem: Vier Fälle mit Artikelwechseln für drei Geschlechter im Singular und Plural, bestimmte, unbestimmte und unbestimmte Fälle sowie Fälle ohne Artikel. Das ist die eigentliche Schwierigkeit des Deutschen für Englischsprachige. Es gibt kein englisches Äquivalent, keine Abkürzung, und es braucht 12–18 Monate kontinuierlichen Kontakts, bis es automatisiert ist.
Genus der Nomen: Das Genus muss für jedes Nomen auswendig gelernt werden und beeinflusst jeden Artikel im Kasussystem. Das ist wirklich harte Arbeit.
Verbstellung in komplexen Sätzen: In Nebensätzen steht das Verb am Satzende. Trennbare Verben werden im Hauptsatz getrennt und im Nebensatz wieder zusammengeführt. Modalverben führen dazu, dass der Infinitiv ans Satzende geschoben wird. Diese Stellungsregeln haben keine Entsprechung im Englischen und erfordern gezieltes Lernen.
Die Umlaute und die ch- Laute: Ausspracheherausforderungen, die ein tatsächliches Muskelgedächtnis erfordern, nicht nur ein konzeptionelles Verständnis.
Diese Schwierigkeiten sind real. Doch sie sind erlernbar und regelgeleitet – kein Chaos eines völlig fremden Grammatiksystems. Und sie stehen den oben beschriebenen erheblichen Vorteilen gegenüber.
FSI-Bewertung: Deutschland ist Kategorie II
Das US Foreign Service Institute (FSI), das Diplomaten in Fremdsprachen ausbildet, stuft Sprachen nach ihrem Schwierigkeitsgrad für Englischsprachige ein. Die Skala reicht von Kategorie I (am einfachsten) bis Kategorie IV (am schwierigsten).
Kategorie I (ca. 600–750 Stunden): Spanisch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch, Niederländisch; Kategorie II (ca. 750 Stunden): Deutsch; Kategorie III (ca. 900–1.100 Stunden): Indonesisch, Malaiisch, Suaheli; Kategorie IV (ca. 2.200 Stunden): Arabisch, Chinesisch, Japanisch, Koreanisch
Deutsch gehört zur Kategorie II – es ist schwieriger als die romanischen Sprachen, aber deutlich einfacher als die asiatischen Sprachen, die die Kategorie IV dominieren. Die FSI schätzt, dass man für Deutsch etwa 750 Stunden benötigt, um professionelle Sprachkenntnisse zu erlangen. Das ist ungefähr dreimal so viel Zeit wie für Spanisch – aber auch dreimal einfacher als für Japanisch.
Für Australier, die verschiedene Sprachen zum Lernen vergleichen, nimmt Deutsch eine vernünftige Mittelstellung ein – anspruchsvoller als Italienisch oder Spanisch, aber deutlich leichter zu bewältigen als Arabisch oder Mandarin.
Die Herausforderung neu formulieren
Die hilfreichste Umdeutung für Deutschlernende lautet: Deutsch ist nicht willkürlich schwierig. Die Herausforderungen liegen am Anfang – das Kasussystem, das Erlernen des Genus, die Verbstellungsregeln müssen alle verstanden werden, bevor man flüssig sprechen kann. Diese anfängliche Komplexität erweckt den Eindruck, Deutsch sei besonders schwer.
Sobald die anfängliche Lernphase abgeschlossen ist, wird die Sprache zunehmend logischer und konsistenter. Der deutsche Wortschatz erlernt sich dank der englischen Verwandtschaftswörter schneller als erwartet. Das Leseverständnis verbessert sich rasch durch die konsistente Phonetik. Komplexe Ideen lassen sich dank der flexiblen Wortstellung und des produktiven Kompositassystems klar ausdrücken.
Mark Twain schrieb „Die schreckliche deutsche Sprache“ nach einigen frustrierenden Monaten in Deutschland. Er blieb nie lange genug, um die andere Seite der Lernkurve zu erleben – wo das Kasussystem automatisch wird, die zusammengesetzten Substantive selbstverständlich werden und der Wortschatz schnell aus einem Fundament von 1.500 bekannten Wörtern entsteht.
Praktische Auswirkungen für australische Lernende
Beginnen Sie mit dem Wortschatz: Der Vorteil verwandter Wörter ist unbestreitbar. Bauen Sie Ihren ersten Wortschatz anhand von Häufigkeitslisten auf, und Sie werden feststellen, dass viele Wörter sofort vertraut oder schnell einprägsam sind. Ein früher Start ist wichtig für die Motivation.
Die Grammatik sollte man nicht vernachlässigen: Das Kasussystem ist unerlässlich. Lernen Sie es systematisch, anstatt darauf zu hoffen, es passiv aufzunehmen. Die Logik von Nominativ, Akkusativ und Dativ von Anfang an zu verstehen, ist weitaus effizienter, als sie sich allein durch häufigen Kontakt mit dem System anzueignen.
Nutzen Sie englische Verwandte aktiv: Wenn Sie auf ein neues deutsches Wort stoßen, suchen Sie nach dem entsprechenden englischen Wort. Wasser/water, Brot/bread, Bruder/brother, Schwester/sister, Mutter/mother, Vater/father – diese Verbindungen verankern neue Vokabeln in Ihrem bestehenden Wortschatz.
Vertrauen Sie der Phonetik: Anders als im Englischen gibt die deutsche Rechtschreibung an, wie ein Wort ausgesprochen wird. Nutzen Sie das. Die Leseflüssigkeit im Deutschen entwickelt sich schneller, als die meisten Lernenden erwarten, da die Regeln einheitlich sind.
Zusammenfassung
Deutsch ist nicht einfach – aber für australische Englischsprachige deutlich zugänglicher, als man aufgrund seines Rufs vermuten würde. Die gemeinsame germanische Wurzel bringt Tausende von bekannten Wörtern, ein identisches Alphabet und grammatikalische Muster hervor, die das Englische in vereinfachter Form beibehalten hat. Die phonetische Konsistenz ermöglicht es, Lesen und Aussprache auf eine Weise zu erlernen, wie es im Englischen nie vollständig gelingt. Das Zeitsystem ist einfacher als das englische.
Die eigentlichen Herausforderungen – Fälle, Genus, Verbstellung – liegen anfangs auf der Hand und erfordern ein intensives Studium. Doch es handelt sich um regelbasierte Herausforderungen mit logischen Lösungen, nicht um willkürliches Chaos. Sind sie einmal verstanden, bilden sie das Gerüst einer ausdrucksstarken, präzisen Sprache, die eng mit dem Englisch verbunden ist, das Sie bereits sprechen.
Weiterführende Lektüre: Wie lange brauchen Australier, um Deutsch zu lernen? | Deutsche Fälle für Australier erklärt | Deutschlernplan – 30 Minuten pro Tag
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